In letzter Zeit werde ich häufiger von Unternehmern angesprochen, die darüber nachdenken, ihre Webaktivitäten zu Facebook zu verlagern. Die eigene Domain soll dann nur noch eine Webvisitenkarte sein, während bei Facebook eine aktive Community gepflegt wird. Auf den ersten Blick spricht manches dafür. Doch die Nachteile sind auch unübersehbar …

Gerade wer bisher eine wenig erfolgreiche Unternehmenswebsite betreibt, neigt dazu, sich von gut besuchten Fanseiten bei Facebook beeindrucken zu lassen. Doch auch bei Facebook stellt sich Erfolg nicht von allein ein.

Zwar lockt Facebook mit 1,2 Milliarden Nutzern. Doch diese kommen nicht automatisch auf Ihren Facebook-Auftritt, auch diese Besucher müssen durch attraktive Inhalte erobert werden. Entsprechend viel Pflege und zeitlichen Einsatz verlangt eine aktive Fanseite bei Facebook.

Wenn Sie dieselbe Arbeit in die eigene Website investieren, steigern Sie Ihr Erfolgspotenzial ebenfalls, vielleicht sogar noch mehr. Denn das Internet jenseits von Facebook nutzen fast 3 Milliarden Menschen. Sie haben dort also deutlich bessere Chancen, Ihre Zielgruppe anzutreffen.

Nicht für jede Zielgruppe ist Facebook ideal

Ganz besonders gilt das, wenn Sie eine Business-Zielgruppe ansprechen. Denn der Schwerpunkt der Facebook-Nutzer liegt auf eher privaten, unterhaltsamen Inhalten. Ein wenig Info ist auch noch erlaubt, Werbung wird dagegen negativ gesehen.

Es gibt aber noch einen viel gewichtigeren Punkt, der für den eigenen Internetauftritt spricht: Auf Ihrer eigenen Website sind Sie Hausdame bzw. Hausherr.

Auf Ihrer Facebook Unternehmensseite sind Sie nur Gast mit wenig Rechten

Als Sie Ihren Facebook-Account eröffneten, haben Sie ein seitenlanges Vertragswerk akzeptiert, das einige Überraschungen offenbart, wenn man es tatsächlich mal durchliest.

So lässt sich Facebook beispielweise automatisch ein Nutzungsrecht an allen Ihren Inhalten einräumen: Texte, Bilder und Videos, die Sie auf Facebook hochladen, können von Facebook genutzt werden, auch gegen Ihre Interessen.

Gleichzeitig übt Facebook ein rigides Hausrecht aus. Ohne Angabe von Gründen kann Ihr Account jederzeit geschlossen werden. Beispielsweise kann das passieren, wenn Sie gegen die sehr umfangreichen Werberichtlinien verstoßen. Auch die sollten Sie mal durchlesen, Sie werden sich wundern, wie wenig Ihnen erlaubt ist.

Sobald Ihr Account geschlossen ist, haben Sie keinen Zugriff mehr auf die Inhalte, die Sie vielleicht mühsam über Jahre hinweg erstellt haben. Noch schlimmer: auch Ihre Fanbasis ist damit auf einen Schlag zerstört.

Alle Risiken liegen auf Ihrer Seite

Und diese Möglichkeit ist keineswegs theoretisch: So war der Stadt München beispielsweise durch Facebook die Nutzung der Adresse facebook.com/muenchen vorgeschlagen worden. Unter dieser entstand ein umfangreicher Webauftritt mit mehr als 400.000 Fans.

Zwei Jahre später änderte Facebook die Spielregeln. Fanseiten durften nicht mehr nach Städten benannt werden. Über Nacht verschwand der Auftritt und mit ihm 400.000 Fans.

Selbst wenn Ihnen das so nicht passiert: Erinnern Sie sich an Second Life? Oder an AOL? Beides waren riesige, kommerziell erfolgreiche Gemeinschaften im Internet, die nach einigen Blütejahren in der Bedeutungslosigkeit verschwanden. Viele Unternehmen hatten damals Millionenbudgets in die entsprechenden Unternehmenspräsenzen investiert, die dann wertlos verfielen.

Wie lange wird Facebook noch die heutige Bedeutung haben? Niemand weiß es. Es ist aber eher blauäugig, zu denken, dass Facebook bis in alle Ewigkeit Bestand haben wird. Bereits jetzt verliert das Portal besonders in den entscheidenden jungen Zielgruppen.

Und noch eine Möglichkeit: Wer garantiert, dass nicht eines Tages für Unternehmenspräsenzen auf Facebook Gebühren entrichtet werden müssen? Wer sagt, dass nicht schon längst ein Abrechnungsmodell in der Schublade liegt, nach dem auf kommerziellen Fanseiten jeder Klick bezahlt werden muss – ähnlich wie bei Google Adwords? Sie werden dann nur zwei Möglichkeiten haben: Entweder zahlen. Oder von der Plattform verschwinden und Ihre Fans und Ihre Inhalte ohne weitere Zugriffsmöglichkeiten aufgeben.

Behalten Sie die Kontrolle

Was bedeutet das alles für Ihre Web-Strategie? Grundsätzlich spricht nichts dagegen, die Chancen zu nutzen, die Facebook bietet. Achten Sie aber darauf, dass dabei Ihre eigene Website der zentrale Dreh- und Angelpunkt bleibt.

Auf Facebook legen Sie lediglich Ihre Köder aus, in Form von attraktiven Infohäppchen oder Hintergrundinfos für Ihre Zielgruppe. Ziel dabei muss immer sein, diese Personen dann von Facebook auf Ihre eigene Website zu ziehen. Dort findet Ihr Business statt, dort werden Besucher von Interessenten zu Kunden. Denn dort haben Sie die Kontrolle und dort haben Sie den Zugriff auf Ihre Kontakte.

Selbst Interaktivität können Sie auf Ihrer eigenen Website bieten, zum Beispiel durch ein Blog.

So betrachtet ist Facebook dann lediglich ein weiterer Lieferant von Traffic, so wie beispielsweise auch Google Adwords oder eine der vielen weiteren Trafficquellen. Sie nutzen all diese Kanäle und behalten auf Ihrer eigenen Website die Kontrolle über Ihre Zielgruppe. Und: Nur Content auf Ihrer Website ist Content, der auf Ihr eigenes Konto einzahlt und dafür sorgt, dass Ihr Unternehmen bei Google besser gefunden wird.

Ist das nicht die ideale Form, Webmarketing zu betreiben?