Wer mit seinem Unternehmen am Markt sichtbar sein möchte, dachte bisher in den seltensten Fällen über bewegte Bilder nach. Teure Produktion und noch teurere Schaltung – selbst im Lokalfernsehen – sorgten dafür, dass Videos nur etwas für größere Budgets waren. Das dreht sich gerade. Das Internet entwickelt sich zu einem immer wichtiger werdenden Kanal für bewegte Bilder, wird zum Online-TV. Und damit stellt sich für jedes Unternehmen ganz aktuell erneut die Frage, ob und wie man Unternehmensvideos erstellen und online veröffentlichen soll.

Am besten kann diese Frage Ihre Zielgruppe beantworten: Gibt es Inhalte, die für Ihre Zielgruppe relevant sind und die sich sinnvoll als Web Video präsentieren lassen? Entsteht durch diese Präsentationsform ein Mehrwert für die Zielgruppe?

Wenn diese Punkte zutreffen, verfügen Sie schon über allerbeste Voraussetzungen, um den Content Ihrer Website mit Webvideos nutzbringend zu ergänzen. Doch auch in den anderen Fällen können Webvideos ein wichtiger Bestandteil im Marketingmix sein. Dann aber nicht auf der eigenen Website, sondern als Werbemedium auf externen Websites und Plattformen wie Youtube.

Warum Google Web-Videos mag

Gute Webvideos können Besucher für längere Zeit auf Ihrer Website halten. Diese Besuchsdauer geht in das Google-Ranking ein. Der Grund: Ein Suchergebnis, mit dem Besucher sich besonders lange beschäftigen, scheint ein passender Treffer für den Suchbegriff zu sein und sollte entsprechend besser gelistet werden.

Doch Videos, die Besucher fesseln, muss man erst mal haben. Die meisten Videos, auch bei Youtube, haben eine Sichtbarkeit im Bereich des Unsichtbaren. Keiner interessiert sich dafür, niemand schaut hin. Schade um die Arbeit, die in das Erstellen dieser Online Videos investiert wurde.

Die 3 Punkte, die ein gutes Web-Video ausmachen

Sichtbarkeit ist zwar eine wichtige Voraussetzung, doch bei weitem für ihr Webvideo nicht genug. Denn Sie wollen damit ja auch etwas über Ihr Unternehmen, Ihr Produkt oder Ihre Dienstleistung erzählen.

Ihr Unternehmensvideo muss deshalb mindestens diese drei Punkte erfüllen:

  1. Ihr Webvideo muss Ihrer Zielgruppe einen Anreiz bieten, es anzuschauen.
  2. Ihr Webvideo muss so interessant sein, dass man nicht mittendrin abbricht.
  3. Ihr Webvideo muss eine relevante Botschaft in die Köpfe der Zielgruppe transportieren.

Diese 3 Punkte erscheinen Ihnen selbstverständlich und nicht der Rede wert? In der Praxis werden sie trotzdem ständig ignoriert. Das beste Beispiel: die vielen schlechten Unternehmensvideos im Web.

Wie interessieren Sie Ihre Zielgruppe für Ihre Web-Videos?

Auch Online-Videos sollten Ihrer Marketingstrategie und dem daraus abgeleiteten Kommunikationskonzept folgen. Wenn Sie in diesen Punkten Ihre Hausaufgaben gemacht haben, dürfte klar sein, was Sie in Ihrer Zielgruppe wie kommunizieren wollen.

Dabei gilt auch hier: Der typische Websitebesucher interessiert sich nicht so sehr für Sie und Ihr tolles Unternehmen, sondern er sucht Lösungen für seine Probleme. Manchmal sogar für Probleme, von denen er noch gar nicht weiß, dass er sie hat.

Stellen Sie solche Problemlösungen in den Mittelpunkt Ihrer Online-Videos und Sie haben schon eine ganze Menge richtig gemacht.

Was dagegen eher nicht geht: einfach mal planlos mit dem Smartphone in der Firma drauf los drehen und das Ergebnis dann ins Internet stellen.

So zwingen Sie Besucher, Ihr Unternehmensvideo bis zum Ende anzusehen

Ein Video ist ein dominantes Medium. Es zwingt mir sein Tempo auf und nötigt mich dazu, für eine bestimmte Zeit nichts anderes zu tun, als hinzusehen.

Das ist im Prinzip kein Problem. Wenn die Inhalte stimmen, schaut man gern 90 Minuten auf bewegte Bilder und hat immer noch nicht genug.

Auf der anderen Seite hat aber jeder auch schon mal erlebt, wie quälend 20 Sekunden Online-Video sein können und wie unerträglich 3 Minuten. Langeweile wird bestraft. Mit Abschalten.

Bei der Produktion von TV-Spots hat sich über Jahrzehnte eine Kultur der Kürze etabliert. Und das nicht nur, weil die Schaltkosten sich nach Sekunden berechnen. Schon als Juniortexter habe ich gelernt: „Wenn du etwas in 20 oder 30 Sekunden kommunizieren kannst, dann tu es auch.“ Eine Idee wird eben nicht besser, wenn man sie in mehr Zeit breit tritt.

Diesen Gedanken sollten Sie auch bei Ihren Unternehmensvideos verfolgen. Das heißt nicht, dass Sie mit 20 Sekunden auskommen müssen. Aber fassen Sie sich generell so kurz wie möglich. Bringen Sie Ihre Story spitz auf den Punkt. Und wenn Sie das Material gedreht haben, nutzen Sie den Schnitt als weitere Möglichkeit, zu verdichten.

Die Aufmerksamkeitsspanne Ihrer Zuschauer ist gering, gerade im Internet. Passen Sie also auf, dass Sie mit Ihrer Botschaft darin Platz haben.

Die Wahrheit liegt zwischen Zutexten und zu wenig Text

Was ein Werbetexter mit als erstes lernt, ist die Vermeidung des „Neger vor Hütte“-Prinzips. (Schöne Umschreibung, die wohl heute nicht mehr politisch korrekt ist …;-) Das Prinzip steht für schlechte Headlines oder Bildunterschriften, die einfach noch mal das beschreiben, was das Bild sowieso schon zeigt. Eine gute Headline steht dagegen in Interaktion mit dem Bild und addiert etwas hinzu.

„Neger vor Hütte“ trifft auch auf die Sprechertexte von vielen Unternehmensvideos zu. Man merkt dann gleich: der Texter hat wenig Erfahrung mit dem Medium Film. Besser wird ein Online-Video, wenn Bild und Sprache sich ergänzen und so ein Gesamtes ergeben, das mehr ist als die Summe seiner Teile.

Wo es angebracht ist, darf auch mal eine Pause im Sprechfluss entstehen. Wobei man aufpassen muss, dass nicht auch gleichzeitig eine Pause im Bild ist. Sonst wird es schnell mal langweilig und dann … Sie wissen schon.

Musik schlägt Brücken

Musik kann vieles zu einem Film addieren, was sich über Bild und Sprache nur schwer ausdrücken lässt. Nur sollte die Musik halbwegs zur Erwartungshaltung der Zuschauer passen. Flamenco zum italienischen Restaurant passt nicht. Trotzdem habe ich genau das neulich erst im Web entdeckt.

Musik kann übrigens ohne weiteres zu einem ernst zu nehmenden Kostenfaktor werden. Deshalb lohnt es sich, bei einem der zahlreichen Royalty Free Anbieter zu stöbern. Unter Umständen reicht dann bereits ein geringer Eurobetrag.

Film wirkt unmittelbar und nachhaltig

Kaum ein Medium schafft es so ungefiltert in den Kopf wie ein guter Spot. Was auf der einen Seite positiv erscheint, birgt auf der anderen Seite aber auch Gefahren. Ich sehe immer wieder unglaublich schlechte Unternehmensvideos, die damit ihren Job ins Gegenteil verkehren. Sie werben nicht, sie schrecken ab.

Positive Beispiele gibt es aber auch eine Menge ;-)