One-Page, Single-Page, Infinite Scrolling oder auch Parallax Scrolling sind ein paar Schlagworte für eine Mode im Webdesign, die immer populärer wird. Gemeint sind damit Websites, auf denen sich alle Inhalte auf einer einzigen Seite befinden, die man dann immer weiter nach unten scrollt. Ob das gefällt, ist Geschmackssache. Deutlich schlimmer sind die Auswirkungen, die so was auf den eigenen Unternehmenserfolg haben kann.

Ich hatte jetzt eine Anfrage von einem Unternehmer, dem eine schicke Werbeagentur einen schicken Webauftritt gebaut hat. Leider brachte die Website bei weitem nicht den versprochenen Erfolg und die erwarteten Neukunden. Und das aus gutem Grund, wie ich mit einer schnellen Analyse feststellte.

Gibt es Menschen, die 20,4 Sekunden warten, bis eine Website geladen ist?

Ich konnte kaum glauben, dass es über 20 Sekunden dauerte, bis die Website geladen war. Währenddessen schaute man lediglich auf einen schwarzen Hintergrund, sonst nichts.

Würden Sie warten? Oder würden Sie nicht eher denken, der Browser hat sich aufgehängt oder der Server?

Ein absolutes Desaster, vor allem, wenn man bedenkt, dass für diese Website auch eine Adwords-Kampagne geschaltet wurde. Jeder dieser teuer eingekauften Besucher sah lediglich eine schwarze Seite und wechselte spätestens nach ein paar Sekunden zurück zu den Suchergebnissen.

Meine Neugier war geweckt, jetzt wollte ich wissen, was bei dieser Website schief lief.

Fehler 1: Das One-Page-Konzept falsch umgesetzt

Eine korrekt aufgebaute Single-Page-Website lädt die Inhalte dynamisch nach, während der Betrachter nach unten scrollt. Das war hier nicht der Fall: Hier wurden erst mal in einem Rutsch alle Texte, alle großen Hintergrundbilder geladen, bevor mehr als der schwarze Hintergrund angezeigt werden konnte.

Entweder hatte die Webagentur das Konzept hinterm Infinite Scrolling nicht verstanden oder war nicht in der Lage, es technisch umzusetzen. Was auch immer der Grund war, das Ergebnis war verheerend.

Fehler 2: Hintergrundbilder zu groß gespeichert

Jedes einzelne Hintergrundbild hatte ein Format von 1920 x 1080 Pixeln, auch als Full-HD bekannt. Der Webdesigner hat so gespeichert, ohne weiter nachzudenken. Ergebnis: eine Dateigröße von 1,2 MB je Bild. Ich lud ein Bild testweise in Photoshop (Gimp kann das auch) und speicherte optimiert, so dass optisch gerade noch keine Verschlechterung sichtbar wird. Zeitaufwand: 10 Sekunden je Bild, die Dateigröße hinterher betrug nur noch 0,147 MB – bei gleichem Format in Pixeln. Entsprechend reduzieren sich die Ladezeiten der Website.

Neben diesen verschiedenen großen Hintergrundbildern gab es übrigens noch eine Galerie mit weiteren 20 Bildern, die auch komplett vorgeladen wurden.

Insgesamt luden beim Aufruf der Website fast 26 MB an Bilddaten, bevor etwas sichtbar wurde. 85 % bzw. 21,7 MB wären durch intelligente Komprimierung einzusparen, ohne sichtbar auf Qualität zu verzichten.

Fehler 3: Google mag „unechte“ One-Page-Websites nicht

Im Gegensatz zu einer „echten“ One-Page-Website, bei der alle Inhalte dynamisch nachgeladen werden, befanden sich hier alle Inhalte auf einer einzigen Seite.

Google hatte also auch nur diese eine Seite im Index. Das führt zu dem Problem, dass die ganze Website auch nur für ein oder zwei Suchbegriffe optimiert werden kann. Für andere Suchbegriffe optimieren ist nicht drin, ernsthaftes SEO gibt’s nicht.

Wer sich auskennt, setzt deshalb über die History API verschiedene Sektionen auf, die als verschiedene Seiten funktionieren. Man erkennt das daran, dass sich dann beim Scrollen die im Browser angezeigte URL ändert.

In der Praxis sehe ich das aber nicht bei den Pseudo-One-Page-Websites kleiner Unternehmen. Das nötige Technikverständnis haben viele Webdesigner eben nicht.

In den meisten Fällen verschenken Unternehmer also mit diesem Infinite Scrolling ein enormes Potenzial für die Neukundengewinnung.

Nur damit die Website schön aussieht. Doch tut sie das wirklich?

Wer mag überhaupt Infinite Scrolling?

Wenn man sich so umhört, trifft man nicht viele, die das One-Page-Design attraktiv finden.

„Unübersichtlich“ oder „verwirrend“ sind typische Aussagen, die ich dazu höre. Und zwar unabhängig davon, ob ich mit B-to-B Zielgruppen oder mit Consumern spreche.

Es gibt sicher spezielle Themen, für die sich Infinite Scrolling anbietet. Meiner Meinung nach eignet sich One-Page-Design jedoch überhaupt nicht für Unternehmens-Websites von „ganz normalen Unternehmen“.

Denn sobald sich mehrere Themen ergeben, die über ein Menü eine logische Trennung benötigen, wird das One-Page-Design chaotisch.

Es wird schwer, bestimmte Bereiche direkt anzusteuern.

Die Usability ist auch nicht optimal.

Nutzer finden sich nicht zurecht und brechen dann auch schnell den Besuch ab.

Das alles nur für moderne Optik? Das ist es nicht wert.