Die Amerikaner haben es leicht. Da deckt ein lässiges „You“ alle Anreden ab. Im Deutschen ist es leider nicht so einfach. Wie also finden Sie zwischen Sie und Du für die Texte der eigenen Website die zu Ihnen passende Lösung?

Schlechter Stil: Gar keine Anrede

Die schlechteste Lösung gleich mal vorweg: Wer konsequent Du oder Sie in seinen Texten vermeidet, macht alles falsch.

Denn das liest sich nicht nur verkrampft, es verstößt auch gegen eine der wichtigsten Regeln des Online-Marketing: Sprich deine Zielpersonen persönlich an.

Der Grund: Wir lieben es, wenn sich alles um uns dreht. Und wie kann man das deutlicher machen, als durch eine Anrede per Sie oder Du?

In die Kategorie der vermiedenen Anrede gehört auch das „Ihr“. Man merkt, dass dadurch eine klare Entscheidung für Du oder Sie vermeiden werden soll. Und so unbestimmt liest sich das dann auch. Nicht empfehlenswert.

Bewährte Texterregel: Schreiben Sie die Webtexte für Ihre Zielgruppe

Alles was Sie an Unternehmenskommunikation veröffentlichen – ob auf der Website, in Broschüren oder mit anderen Kommunikationsmitteln – hat ein klares Ziel: Sie möchten damit Personen aus Ihrer Zielgruppe überzeugen.

Das setzt voraus, diese Zielgruppe ganz genau zu kennen. Und dazu gehört auch, zu wissen, wie sie denn gern angesprochen wird.

Da Sie ja wahrscheinlich schon Kunden haben, machen Sie einfach den Realitätscheck: Wie sprechen Sie im Alltag mit Ihren Kunden? Dann haben Sie schon die Antwort, ob Du oder Sie richtig ist.

Auch die großen Vorbilder sind in der Ansprache zielgruppenorientiert

IKEA war eins der ersten großen Unternehmen in Deutschland, das irgendwann konsequent anfing, die eigenen Kunden zu duzen. Das sind die so aus Schweden gewohnt.

Allerdings gilt das nur fürs „normale“ IKEA-Sortiment. Die Unternehmensabteilung IKEA Business, die hauptsächlich Unternehmen anspricht, ist weiterhin beim Sie geblieben.

Hier wurde also entschieden, dass zwei unterschiedliche Zielgruppen auch unterschiedlich angesprochen werden.

Grundsätzlich ist das aber kein guter Ansatz, denn dieses Mischen der Anrede kann auch irritierend wirken. Zum Beispiel wenn ich in der Woche Unternehmenskunde bin und am Samstag privat mit IKEA zu tun habe.

Hat Duzen oder Siezen mit Kompetenz zu tun?

Wirkt es professioneller, wenn man seine Leser siezt?

Nicht wirklich.

Das ist also kein Kriterium für die Entscheidung zwischen Du und Sie.

Kompetenz kann das Du genauso gut vermitteln, denn Kompetenz liegt nicht in einer Anrede begründet, sondern in Personen.

Reduziert Duzen Barrieren?

Duzen kann durchaus Berührungsängste abbauen. Das erklärt sich aus der historischen Bedeutung von Du und Sie. Das „Sie“ hatte immer auch mit Hierarchie zu tun, da war jemand über mich gestellt.

Wenn ich bewusst duze, kann mich das „anfassbarer“ machen. Die Zielgruppe kommt nicht auf den Gedanken, dass man sich ihr aufgrund seiner Kompetenz überlegen fühlen könnte und traut sich eher, den Kontakt aufzunehmen.

Wer duzt, begibt sich immer auf Augenhöhe mit seiner Zielgruppe und das kann genau richtig sein. Insbesondere dann, wenn die Zielgruppe gefühlt oder tatsächlich sich auf einem niedrigeren Kompetenz- oder Hierarchie-Niveau bewegt.

Umgekehrt würde ich beispielsweise Vorstände der klassischen DAX-Konzerne nicht unaufgefordert duzen. Die stehen da nicht so drauf.

Es muss also wie immer zur Zielgruppe und zu Ihrem normalen Kommunikationsverhalten passen.

Empfinden manche Duzen als anmaßend?

Durchaus. Je nach Zielgruppe kann ein allgemeines Duzen als schlimmer Fauxpas empfunden werden.

Das ist in älteren Zielgruppen eher so und in sogenannten „höher gestellten“ Kreisen.

Wählen Sie die Anrede, mit der Sie sich gut fühlen

So wie ich es auch gemacht habe.

Meine Zielgruppe als Berater und Texter sind Unternehmer, in Umfeldern, in denen man sich zumindest anfangs fast immer siezt.

Deshalb ist es für mich klar, dass ich nicht auf einer Website direkt mit dem Du ins Haus falle.

Wäre ich aber z.B. ein Coach mit einer eher privaten Zielgruppe, würde ich wahrscheinlich duzen.

Insofern: Machen Sie einfach das in Ihren Texten, womit Sie sich gut fühlen. Und ziehen Sie das dann konsequent durch.